24 – A Christmas Carol – Eine Weihnachtsgeschichte

Weihnachtsengel

im Original von Charles Dickens

Vor genau sieben Jahren in der Weihnachtsnacht verstarb Jacob Marley, der einzige Freund des Mannes, um den es sich in dieser Geschichte dreht. Dieser Mann namens Ebenezer Scrooge war nun der einzige Inhaber des Warenhauses „Scrooge und Marley“; denn so hieß das Geschäft noch immer, trotz des Todes Mr Marleys. Mit ihm zusammen arbeitete dort nur sein Angestellter Bob.

Ebenezer Scrooge war der wohl geizigste Mensch, den man sich vorstellen konnte. Er war so geizig, dass er sogar an diesem Tag des Weihnachtsfestes die Herren wieder fortschickte, die für die armen Leute um eine kleine Spende baten. Nicht einmal seinem Neffen begegnete er freundlich. Denn dieser lud ihn auch dieses Jahr wieder zum Weihnachtsfest zu sich ins Haus ein. Scrooge verabscheute Weihnachten, denn er war ein kalter und herzloser Mensch.

In dieser Weihnachtsnacht erschien Scrooge eine grauenvolle Gestalt. Es war der Geist seines Freundes Marley. Er war mit einer langen, schweren Eisenkette behangen, an der Geldkassen und Schlösser hingen. „Dies, Scrooge“, schrie er, „dies ist die Kette meines Lebens, die Kette, die ich mir selbst geschmiedet habe, und die ich nun auf immer tragen muss!“

Scrooge erschrak fürchterlich. „Aber warum? Du warst wie ich ein guter Geschäftsmann!“

„Ein Geschäftsmann, ja, aber doch kein Mensch! Auch du besitzt eine solche Kette. Aber deine ist schon um einiges länger! Du sollst die Gelegenheit bekommen, mein schreckliches Schicksal nicht zu teilen. Nutze sie!“

Und da verschwand Marleys Geist.

An seiner Stelle sollten Scrooge in dieser Nacht die drei Weihnachtsgeister erscheinen, und da war der erste auch schon da. Es war der Geist aller vergangenen Weihnachten und so nahm er Scrooge mit in die Vergangenheit.

Als erstes landeten sie an Weihnachten beim kleinen Ebenezer Scrooge in seiner Kindheit. Dort saß er nicht etwa mit seiner Familie um einen Tannenbaum herum – nein, er saß ganz allein in der Schule und las Bücher, denn er hatte keinen Freund. Wie einsam ich schon damals war!, wurde ihm auf einmal bewusst. So reisten sie in Scrooges frühere Weihnachten mit allen Menschen und Momenten, die ihm je etwas bedeutet hatten.

Kaum dass er wieder zuhause war, bekam er Besuch vom zweiten Geist. Er nannte sich der Geist der diesjährigen Weihnacht und er erklärte ihm, dass es für jedes Jahr einen Weihnachtsgeist wie ihn gab. Mit diesem ging Scrooge durch die ganze Stadt und beobachtete die vielen Familien, wie sie zusammen Weihnachten feierten und von Herzen froh waren. Plötzlich waren sie in der kleinen Wohnung der Familie seines Angestellten Bob! Dort sahen sie auch dessen Kinder, insbesondere einen kleinen behinderten Jungen, der zu wenig zu Essen und zu wenig Medikamente bekam, sodass er wohl sterben müsse. Trotz alledem war die Familie froh und harmonisch, sie feierten das Weihnachtsfest, beschenkten sich und aßen, soweit ihr Geld ausreichte. „Auch auf meinen Arbeitgeber möchte ich heute anstoßen“, sagte Bob auf einmal, „denn es ist ja Weihnachten.“

Sehr berührt brachte der zweite Geist Scrooge nun nach Hause. Und es dauerte nicht lange, da tauchte auch schon der dritte Geist auf.

Der Geist aller zukünftigen Weihnachten sprach kein Wort mit ihm. Er führte ihn lediglich in ein Weihnachtsfest in der Zukunft, wo Scrooge erkannte, dass sie sich auf dem Weg zum Friedhof befanden. Was hatte das zu bedeuten? Sie hörten, wie sich ein paar Leute auf der Straße über einen kürzlich verstorbenen Bürger unterhielten, und dabei sprachen sie nicht gerade freundlich. Auf dem Friedhof, wo verschiedene Menschen am Weihnachtsabend ihre lieben Verwandten besuchten, deutete der dritte Geist nur auf einen etwas abseits stehenden Grabstein, vor dem keine Menschenseele trauerte oder gedachte. Scrooge trat um den Stein herum und wollte wissen, wer in diesem einsamen Grab lag – und da traf ihn die Erkenntnis, denn auf dem Stein stand in dunklen Lettern der Name Ebenezer Scrooge. Es war sein eigenes Grab.

Als Scrooge am nächsten Morgen aufstand und zur Arbeit ging, war er wie ausgewechselt. Er schwor sich, ein besserer Mensch zu werden. „Weihnachten ist die Zeit der Barmherzigkeit. Das sollte man nie vergessen!“

Und so folgten gleich an diesem Tag eine ganze Reihe guter Taten. Er schickte einen Truthahn an Bobs Familie und erhöhte am nächsten Tag auch noch das Gehalt seines Angestellten, sodass der kranke Sohn versorgt werden konnte. Er grüßte auch die Leute auf den Straßen und spendete etwas für die Armen, wobei er sich auch gleich bei den Sammlern entschuldigte. Am Abend besuchte er seinen Neffen und feierte mit diesem und weiteren Freunden Weihnachten.