Der Stress mit der Zeitumstellung – Schlafexperte Jürgen Schuster gibt Tipps wie sie gut gelingen kann

von Jürgen Schuster

MEV108009

Am Montag den 31. März ist es wieder so weit – einige Menschen in Deutschland kommen zu spät in die Arbeit, weil sie die Zeitumstellung verschlafen haben. Ob die Chefs das akzeptieren oder es Stress gibt, können wir nur vermuten – Stress ist die Zeitumstellung für die meisten von uns sowieso.

Dazu passt es, dass an diesem Montag jedes Jahr aufs Neue die Häufigkeit von Verkehrsunfällen zunimmt. Wer sowieso immer recht früh aufstehen muss, verliert jetzt nochmal eine Stunde und ist entsprechend schläfrig. Fahren Sie also vorsichtig, wenn Sie das Auto brauchen und achten Sie besonders gut auf die anderen Verkehrsteilnehmer.

Wieso kommt es zu dieser Situation? Inzwischen wissen wir, dass die Sommerzeit niemals die angestrebte Energieeinsparung erzielt hat, wegen der sie eingeführt wurde – aber erklären Sie das mal der europäischen Bürokratie. Also leben wir sicher noch lange mit der  Situation im Frühjahr von einer Sekunde zur anderen um eine ganze Stunde zu altern, was wir dann im Oktober glücklicherweise wieder ausgleichen können.
Dabei ist aus medizinischer Sicht die Umstellung im Frühjahr offensichtlich sehr viel schwieriger für unseren Körper zu verarbeiten als im Herbst. Jetzt hat unsere innere Uhr schon genug zu tun, um den Biorhythmus vom dunklen Winter auf den hellen Sommer umzustellen. Und plötzlich fehlt abrupt eine Stunde, was dafür sorgt, dass sich die ganze Gesellschaft für ein paar Tage im Jet-Lag befindet. Dazu müssen wir wissen, dass sich unser Biorhythmus nach der Sonne, also dem Tageslicht richtet. Die Sonne richtet sich allerdings leider nicht nach unserer Sommerzeit – deswegen dauert die Anpassung bei vielen Menschen länger als z.B. bei einer Amerika-Reise, wo wir uns durch den Sonnenimpuls meist recht schnell an die andere Zeit gewöhnt haben.

Folgen der Zeitumstellung

Unser Schlafhormon Melatonin richtet sich ebenfalls nach der Helligkeit und nicht nach der offiziellen Uhrzeit. Deswegen sind Blutdruck und Puls nächste Woche noch „im Keller“, wenn der Wecker tönt, ebenso wie Hormone, die uns für den Tag aktivieren sollen. Die fehlende Stunde Schlaf merken viele von uns also deutlich und fühlen sich einfach schlapp. Wie bei einem Jet-Lag, nur ohne die Euphorie des Urlaubs bei der Fernreise. Zusätzlich können individuell verschiedene Symptome spürbar werden: Stimmungsschwankungen und Konzentrationsmangel, vielleicht rebelliert die Verdauung oder Sie haben zum Frühstück noch keinen Appetit, dafür später plötzlich Heißhunger.
Schlafstörungen können sich verstärken und generell kommen Menschen mit einer Vorerkrankung oft schlechter zurecht. Morgentypen dagegen merken meist gar nichts und freuen sich nur über die längere Helligkeit am Abend, im Gegensatz zu  „Eulen“, also Menschen die eher spät müde werden und dafür morgens länger schlafen müssen.

Es dauert dann einige Tage, bis sich wieder alles normalisiert hat, doch zuerst steigt wie erwähnt Aufgrund der Müdigkeit die Unfallhäufigkeit im Straßenverkehr und am Arbeitsplatz. Notärzte müssen jetzt häufiger raus – und das Wartezimmer beim Arzt ist etwas voller.

Was können wir selbst tun?

Unser eigener Biorhythmus justiert sich jeden Tag neu nach dem Tageslicht und somit nach der Sonne – darin liegt auch die Chance. Sie können sich ganz gezielt so viel echtem Tageslicht wie möglich aussetzen, damit legen Sie bei der Umstellung den Turbo ein. Menschen die dazu wenig Gelegenheit haben z.B. durch die Arbeit in einem Großraum-Büro oder einer Fabrikhalle hilft der Schein einer Tageslicht – Lampe während des Frühstücks oder am Schreibtisch, was auch bei der bekannten Herbst-/ Winterdepression die gängige Therapie ist.
Früher ins Bett gehen hilft meist wenig – wir sind ja noch nicht wirklich müde. Medikamente wie z.B. Schlaftabletten sollten Sie wegen der Umstellung nicht erhöhen – was jetzt jedoch medizinisch sehr wertvoll für Sie sein könnte ist das Sonnenhormon D3, das sog. Vitamin D. Nach dem Winter sind unsere Speicher leer und das Sonnenhormon hat im Stoffwechsel und für das Immunsystem viele bedeutende Funktionen. Lassen Sie einfach mal Ihren Speicher-Wert beim Hausarzt testen und sich eine Kur aufschreiben – das bringt Ihnen Energie.

Zusätzlich unterstützt Sie alles was den Kreislauf in Schwung bringt, denn Bewegung ist sowieso jederzeit das stärkste bekannte Schlafmittel. Sie werden natürlich früher müde und stehen  ausgeschlafen leichter auf. Am Besten bewegen Sie sich im Freien, damit Sie zusätzlich Licht und Luft tanken.

Bleiben Sie also gesund und achten Sie die nächsten Tage besonders gut auf sich.